
TCM FÜR
HAUSTIERE
Kann eine
jahrtausendealte medizinische Behandlung eine bessere, langfristige
Versorgung für unsere Haustiere bieten?
Die
Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist ein seit Jahrtausenden
existierendes medizinisches System aus Fernost, das das Gleichgewicht
zwischen Yin und Yang nutzt, um Krankheiten vorzubeugen und zu
heilen. Sie berücksichtigt die natürlichen Stärken und Schwächen
unseres Körpers für einen ganzheitlichen Ansatz zum Wohlbefinden.
Ebenso lange
wird die Traditionelle Chinesische Veterinärmedizin (TCVM), die in
den gleichen Traditionen verwurzelt ist, zur Behandlung von Tieren
eingesetzt. Die Tierarztpraxis konzentriert sich auf die vier Zweige
Akupunktur, chinesische Kräutermedizin, Tui-na und Futtertherapie,
um unsere gefiederten und pelzigen Begleiter zu behandeln.
Elemente der
Traditionellen Chinesischen Medizin für Haustiere
Seit gut zwei
Jahrzehnten praktizieren einzelne Tierärzte auch hierzulande die
Traditionelle Chinesische Medizin und es sieht so aus, als würde sie
zunehmend an Fahrt gewinnen. Tierhalter, die an dieser
Behandlungsmethode Interesse zeigen, sollten grundsätzlich nur nach
zertifizierten TCVM-Tierärzten suchen. Behandlungen, selbst für
dieselbe Spezies oder Rasse, können sich von Tier zu Tier
unterscheiden. Jedes Tier hat seine eigene genetische Ausstattung und
Veranlagung, und es bedarf eines gründlichen Verständnisses Ihres
Tieres, um die richtige Diagnose zu stellen.
Ein guter
TCVM-Praktiker benötigt eine detaillierte Anamnese des Haustieres,
der Umgebung, in der es lebt, seiner Ernährung, seiner Interaktionen
mit anderen Tieren und Menschen, seinen persönlichen Vorlieben und
anderen Dingen, um die richtige Behandlung durchführen zu können.
Tierärzte können je nach Diagnose verschiedene Kräuter oder
Kräuterformeln auf unterschiedliche Weise verschreiben.
TCVM-Tierärzte
sind gründlich in den verschiedenen chinesischen Kräutern geschult,
sodass sie Medikamente verschreiben können, die für den Verzehr
durch Haustiere sicher sind. Sie überwachen das Haustier auch nach
der Verabreichung der Medikamente. Wenn ein Haustier eine
unerwünschte Reaktion wie Durchfall entwickelt, muss der Tierarzt
seine Diagnosen überprüfen. Es kann sein, dass die Kräutermischung
dem Patienten nicht gut bekommt, oder er braucht andere ergänzende
Kräuter, um die ursprüngliche Verschreibung zu verstärken.
Schmerzfreie
Behandlung
Neben
Medikamenten verschreibt die Traditionelle Chinesische Medizin für
Haustiere auch Tui-na (Massage) und Akupunktur-Therapien, bei denen
sterilisierte Nadeln in den Körper eingeführt werden, um
Meridianpunkte zu stimulieren.
Tui-na ist eine
Massagetechnik, die auf Meridiane und Akupunkturpunkte angewendet
wird, um den Fluss der Lebensenergie „Qi“ zu verbessern und
Ungleichgewichte in den Organen zu korrigieren. Akupunktur mag
schmerzhaft aussehen, aber von erfahrenen Experten durchgeführt ist
sie sehr sicher. Tierbesitzer sind fast immer angenehm überrascht,
wenn sie sehen, dass ihre Haustiere die Nadeln nicht stören.
Während die
verschiedenen Zweige der chinesischen Medizin unabhängig voneinander
arbeiten können, raten Experten zu einem ganzheitlicheren Ansatz.
Tierhalter sollten verstehen, dass eine Kombination der vier
Behandlungszweige die Wirksamkeit der Therapie erhöht.
Das Beste aus
Ost und West
Von vielen
Haltern wird die Traditionelle Chinesische Medizin für Hunde und Katzen oft
nur als eine alternative Behandlung bei neurologischen und
orthopädischen Erkrankungen gesehen. Dieser Ansatz schränkt ihre
Wirksamkeit ein. Die westliche Medizin funktioniert am besten bei
akuten Problemen, aber TCVM ist ein effektives, ganzheitliches
Management von chronischen Erkrankungen wie Nierenerkrankungen,
Krebs, Anfällen unbekannter Herkunft und mehr. Sie korrigiert die
Ungleichgewichte des Körpers, um jeden medizinischen Zustand oder
jedes Symptom zu verbessern.
Viele Tierärzte
praktizieren daher eine integrative Mischung aus westlicher und
fernöstlicher Medizin. Die westliche Medizin kann sofortige
Linderung verschaffen und alle Krankheitserreger wie Bakterien und
Pilze abtöten. Der Einsatz westlicher Diagnoseinstrumente wie
Bluttests und Röntgenaufnahmen kann ebenfalls helfen, dem Problem
schneller auf den Grund zu gehen. Die Traditionelle Chinesische
Medizin kann dann eine Folgekur anbieten, die die natürlichen
Schwächen des Körpers anspricht. Tiermedizinische Wissenschaft und
TCVM müssen sich nicht gegenseitig ausschließen.
Essen für mehr
Harmonie
TCM-Praktiker
diagnostizieren Haustiere als „hitzig“ oder „kühl“.
Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt, um zu sehen, ob Sie einige dieser
Nahrungsmittel in ihre Ernährung aufnehmen können, um ihr „Qi“
ins Gleichgewicht zu bringen. Bevor Sie mit einer Diät beginnen,
konsultieren Sie immer einen zertifizierten TCVM-Tierarzt.
Kühlende
Lebensmittel
Wassermelone,
Sellerie, dunkles Blattgemüse wie Grünkohl, Kohlrabi, Rote Beete,
Spinat und Brokkoli sind als kühlende Lebensmittel gegen „hitzige“
Tiere bekannt. Ebenso Körner und Proteine wie brauner Reis, Hirse,
Truthahn, Kaninchen, Muscheln, Kabeljau und Felchen. Gekochtes Gemüse
ist besser für ältere Tiere, während jüngere Tiere püriertes, rohes Grünzeug vertragen können.
Wärmende
Nahrung
Um die
„Auskühlung“ zu bekämpfen, versuchen Sie Rezepte, die Lamm,
Wild, Huhn, Buchweizen, Ingwer und Zimt enthalten. Diese wärmenden
Nahrungsmittel helfen den Verdauungsorganen, besser zu arbeiten, um
„Feuchtigkeit“ zu verhindern. Sie sollten aber in kleinen
Dosen gegeben werden.
Natürliche
Stärkungsmittel
Lebensmittel wie
Süßkartoffel und Kürbis sind allgemeine Stärkungsmittel, die den
Verdauungstrakt unterstützen. Sardinen und Leber (in kleinen Mengen)
stärken das Blut und fördern u. a. das Haarwachstum. Gerste und
Pilze sind gut gegen Feuchtigkeit, während Ente, Brokkoli und Hirse
wirksam gegen Trockenheit sind.
Gastartikel von https://www.tcm-uni-witten.de/traditionelle-chinesische-medizin-fuer-hunde-und-katzen/